Das Selbst: Die erste Fessel

Die Annahme, es gäbe das Selbst ist die erste der 10 Daseinsfesseln.

Die erste Fessel ist die überzeugendste von allen: Es ist die Annahme, dass es ein Selbst gibt, das wir haben oder sind (Ich Illusion)

Es trägt unseren Namen.

Es stellt uns dar.

Es erlebt, handelt, kontrolliert.

Das Selbst: Dies ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst

Buddha nannte die erste Fessel sakkaya-ditthi – Persönlichkeitsglaube.

Der Persönlichkeitsglaube ist die Vorstellung Körper, Geist und Bewusstsein wären unser Selbst (Ich oder Seele) oder würden zum Selbst gehören.

Die 5 Daseinsgruppen Körper, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen, sowie das daraus resultierende Bewusstsein nennt Buddha die Khandhas.

Sie lassen uns ein vermeintliches Ich erfahren. Und wenn wir uns mit den 5 Khandhas identifizieren entsteht die Vorstellung des Selbst.

Es ist die Vorstellung von Ich und Mein in der Welt.

Mehr zu Buddhas Lehre auf der Seite Erleuchtung erleben von Dr. Alfred Weil.

Das Selbst: Wahr und real?

Unsere Augen sind weit geöffnet, und wir sehen die Realität völlig klar. Dies ist so offensichtlich, dass es sich jenseits aller denkbaren Zweifel befindet. Doch es ist unwahr. Unser Sehvermögen ist derart von emotionalem Treibgut der Selbstheit verdunkelt, dass das, was wir die nackte Realität nennen, in Wahrheit nur ein schwacher Schein ist, den wir durch fest verschlossene Augenlider wahrnehmen, gerade genug Licht, das zu uns durchdringt, um die innere Traumlandschaft wahrnehmen zu können.

Auf der Suche nach Wahrheit, Gott, Bedeutung, Überbewusstsein, Vereinigung mit Gott, Glückseligkeit, Erlösung oder welchen spirituellen Zipfel auch immer wir nachjagen mögen, ist das Selbst niemals selbst einer kritischen Überprüfung ausgesetzt. Wir gehen einfach davon aus, dass wir so wären, wie wir denken, dass wir sind, und dass die Realität so wäre, wie wir meinen, dass sie ist, und machen uns von dort aus auf den Weg. Wir akzeptieren diese Tatsachen als feststehend und gewiss und bewegen uns von diesem Punkt aus weiter. Damit ist der grundlegende Fehler, aus dem sich alle übrigen ableiten, bereits begangen und dagegen gefeit, entdeckt und berichtigt zu werden. Welches Wachstum, welche Entwicklung ist möglich, wenn wir nie entdecken, dass wir in einem gläsernen Sarg liegen und die “Realität” wie Kaufhausmusik in uns eingespeist wird?

Jed McKenna

Alle anderen 9 Fessel führen zu der Annahme, dass dieses Selbst wahr und real ist.

Es beginnt mit der 8. Fesseln. Hier entsteht der Glaube: Ich existiere!

Die Annahme, dass es mich “hier drinnen” und die Welt “da draußen” gibt. Es wird eine Linie gezogen und festgelegt: Das bin ich! Das bin ich nicht!

Ab hier wird alles als Beweis dafür genommen, dass es das Selbst gibt.

Schon beim Heben des Arms wird angenommen, dass das Selbst (Ich) dies verursacht und ausführt. Ja sogar, dass der Arm zum Selbst (mir) gehört.

Wir schlussfolgern, dass all die Gedanken, Handlungen und alles, was sonst so im Erleben erscheint, jemandem gehören muss – oder jemand sein muss.

In der 7. Fessel entsteht zum Beispiel die Annahme, dass Wahrnehmung real ist. Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass hinter allem jemand steht, der wahrnimmt. Der für die Wahrnehmung verantwortlich ist und sie auf das lenkt, was wir wahrnehmen. So wird die Wahrnehmung als Beweis für unsere Existenz genommen: Hier sind wir – die Wahrnehmenden – dort das Wahrgenommene.

Das Selbst erforschen mit Selbsterforschung

Zu sehen, dass es das Selbst (mich) nicht gibt, ist genauso einfach, wie den Arm zu heben und nach dem Selbst (mir) zu suchen, das dies geschehen lässt.

Dabei ist es wichtig zu begreifen, dass diese Übung kein Konzept ist. Es geht nicht darum darüber nachzudenken, dass es das Selbst nicht geben kann, weil… Vielmehr nutzen wir für die Suche nach dem Selbst die Fähigkeit unser Erleben einfach zu beobachten (Selbsterforschung) – in ganz alltäglichen Erfahrungen.

Wenn wir den Arm heben, schauen wir einfach nach: Wer oder was genau hebt den Arm? Was ist der Beweis dafür, dass es das Selbst (Ich) ist?

Genauso machen wir es, wenn ein Gedanke erscheint. Wir schauen nach dem Selbst (mir), das den Gedanken hat, nach demjenigen, dem der Gedanke erscheint – statt einfach nur zu vermuten, dass ich das bin.

Ja, wir könnten annehmen, dass es das Selbst gibt, aber wir werden es nie wirklich finden!

Das Selbst wird enttarnt: Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst

Wenn wir dies klar sehen, wird die erste Fessel fallen und das Selbst wird als Illusion, Interpretation, Annahme und gedankliche Schlussfolgerung enttarnt.

Wir sehen auch, dass die Wahrheit sich immer direkt vor unserer Nase befunden hat: Es ist niemand da!

Da es das Selbst nie gab, gibt es kein Selbst, das stirbt. Es gibt auch kein neues Selbst, das nun diesen Platz einnimmt.

Wir sehen jetzt mit eigenen Augen, was Buddha uns die ganze Zeit sagen wollte.

Und wir fühlen uns befreit von der Last des Selbst, auf das wir immerzu eingegangen sind. Und dessen Aufrechterhaltung unendlich viel Zeit und Energie erfordert hat.

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