Wie fühlt sich das Ende des Leidens an?

Die Welt ist nicht perfekt. Und sie ist auch meistens nicht so, wie wir sie gerne hätten.

Der Eindruck, etwas liefe falsch, ist von entscheidender Bedeutung für den Ablauf des menschlichen Dramas.

Denn ohne Konflikt kein Drama.

Jed McKenna

Erwacht haben wir nicht plötzlich die göttliche Machte, die Welt zu ändern. Was verschwindet ist der Wunsch es zu wollen.

Wir leiden deshalb so sehr, weil wir uns wünschen, die Dinge wären anders, als sie sind.

Wir regen uns über etwas auf, was gerade passiert ist. Und denken tatsächlich, dadurch würde sich etwas ändern. Aber wie kann man etwas ändern, was bereits geschehen ist?

Mit dem Erwachen endet das. Es gibt keinen Widerstand mehr gegen das, was gerade ist. Der Kampf gegen die Wirklichkeit ist vorbei.

So werden wir nicht zu gefühlskalten Menschen, die nichts mehr berührt. Doch wir leiden nicht mehr unter dem, was uns berührt. Gefühle sind einfach was sie sind: Körperempfindungen.

Dass bedeutet aber nicht, dass uns nichts mehr kümmert, dass uns alles egal ist und wir die Dinge einfach hinnehmen und ertragen. Dass wir nun immer das machen, was andere von uns verlangen. Dass wir ein Fähnchen im Wind werden. Ein Spielball der Umstände. Dass wir nicht mehr auf uns achten und unsere Wünsche und Bedürfnisse nicht mehr äußern.

Im Gegenteil. Dadurch, dass wir nicht mehr kämpfen, weil uns die Geschehnisse nicht mehr triggern, gibt es viel mehr Klarheit und wir können mit den Gegebenheiten leichter umgehen. Wir stehen uns nicht mehr selbst im Weg. Wir beziehen nicht mehr alles – gar nichts mehr – auf uns. Der ganze emotionale Ballast, den wir sonst immer mit uns rumgeschleppt haben und um den wir uns immer zuerst mal kümmern mussten, bevor wir uns kümmern konnten, der ist weg. Und das macht es sehr viel einfacher zu agieren.

Manchmal kommen Erinnerungen hoch, wie wir früher mal reagiert haben, und setzen das bekannte Gedankenkarussel in Gang. Aber es hat seine Zugkraft verloren und endet weit vor der ersten Kurve.

Was wegfällt sind die Trigger, die sonst zu einem bestimmten Verhalten geführt haben. Wir bemerken im Erwachen, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer Reaktion und einer Antwort. Die Reaktion ist getriggert von Erfahrungen aus der Vergangenheit. In der Antwort fehlt der Trigger. Und so entsteht eine große Handlungsfreiheit.

Situationen oder Erinnerungen können immer noch unangenehme Gefühle hervorrufen. Schmerz fühlt sich immer noch schmerzhaft an. Im Erwachen werden Gefühle akzeptiert und gefühlt. Nicht gegen sie angekämpft. Sich schlecht zu fühlen, ist genauso okay, wie sich gut zu fühlen.

Die Dinge könnten immer anders sein. Jetzt oder in der Vergangenheit. Aber das heißt nicht, dass sie anders sein sollten.

Wir sind deshalb aber nicht weise oder allwissend. Wir sind nicht perfekt. Und wissen nicht, was das Richtige ist. Doch durch die ausbleibende Reaktion und den entstehenden Handlungspielraum können wir auf eine Antwort warten und müssen nicht den Kampf aufnehmen. Es ist vielleicht nicht die richtige, oder die beste Antwort und vielleicht machen wir auch das, was wir sonst getan hätten, weil uns nichts besseres einfällt. Aber mit der Zeit werden wir der Antwort vertrauen, die von selbst erscheint. Spontan. Intuitiv.

Und wenn die Antwort gegeben ist, dann ist es vorbei. Kein Grübeln mehr, ob es richtig war, ob es eine bessere Antwort gegeben hätte.

Es ist abgehakt.

Buddha erklärte, dass es 10 Annahmen oder 10 Fesseln gibt, die dem Erwachen im Weg stehen. Wenn du wissen möchtest, welche das sind, lies hier weiter: Durch die 10 Fesseln zum Erwachen.


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